Nahost: Warum die Region nicht zur Ruhe kommt

Wenn von Krieg in Nahost die Rede ist, geht es nicht um einen einzigen Konflikt. Zwischen Israel und den Palästinensern stehen Land, Sicherheit und ein eigener Staat im Mittelpunkt. Im Jemen geht es auch um die Macht im eigenen Land. Iran, Israel, Saudi-Arabien und die USA verfolgen darüber hinaus regionale Interessen. Diese Konflikte beeinflussen sich gegenseitig. Für die Menschen bedeutet das, dass Gewalt an einem Ort auch neue Gefahren anderswo auslösen kann.
Die Wurzeln reichen weit vor den Gaza-Krieg zurück
Jüdische und arabische nationale Bewegungen erhoben Ansprüche auf dasselbe Gebiet. Die Verfolgung von Juden in Europa und der Antisemitismus verstärkten den Wunsch nach einem sicheren jüdischen Staat. Zugleich lebte dort eine arabische Bevölkerung mit eigenen politischen Ansprüchen. Unter britischer Herrschaft verschärfte sich der Streit um Land und Selbstbestimmung.
1947 schlugen die Vereinten Nationen eine Teilung in einen jüdischen und einen arabischen Staat vor. 1948 wurde Israel gegründet. Im folgenden Krieg kämpften auch arabische Nachbarstaaten gegen Israel. Viele Palästinenser flohen oder wurden vertrieben. Für Israelis steht die Staatsgründung für Unabhängigkeit und Schutz; für Palästinenser ist die damalige Flucht und Vertreibung eine bis heute prägende Erfahrung.
Warum das Jahr 1967 so wichtig ist
Im Krieg von 1967 besetzte Israel unter anderem das Westjordanland, Ostjerusalem und den Gazastreifen. Die Frage nach den Grenzen und nach der Zukunft dieser Gebiete gehört seitdem zum Kern des Konflikts. Hinzu kommen die Sicherheit Israels, israelische Siedlungen, die Rechte der Palästinenser und der Status Jerusalems.
Nach Einschätzung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz gehört Gaza zu den besetzten palästinensischen Gebieten. Maßgeblich ist nach dieser Einordnung die tatsächliche Kontrolle. Daraus folgen Schutzpflichten gegenüber den Menschen, die in dem Gebiet leben.
Oslo brachte Hoffnung, aber keinen fertigen Frieden
1993 erkannten sich Israel und die Palästinensische Befreiungsorganisation PLO gegenseitig an. Die Oslo-Vereinbarungen schufen einen Rahmen für begrenzte palästinensische Selbstverwaltung. Die besonders schwierigen Fragen wurden jedoch auf spätere Verhandlungen verschoben: Grenzen, Jerusalem, Siedlungen, Flüchtlinge und Sicherheit.
Das erklärt, weshalb ein einzelnes Abkommen noch keinen dauerhaften Frieden schafft. Es kommt darauf an, ob offene Fragen tatsächlich geregelt und Vereinbarungen umgesetzt werden. Die Aussicht auf zwei Staaten blieb ein zentraler Ansatz, ihre Umsetzung aber ungelöst.
Was meint die Zweistaatenlösung?
Gemeint sind Israel und ein unabhängiger palästinensischer Staat, die nebeneinander bestehen. Damit ist noch nicht festgelegt, wo die genaue Grenze verläuft oder wie Jerusalem, Sicherheit und Flüchtlingsrechte geregelt werden.
Was der 7. Oktober 2023 veränderte
Am 7. Oktober 2023 griffen die Hamas und weitere bewaffnete Gruppen Israel an, töteten Zivilisten und nahmen Geiseln. Israel reagierte mit einem Krieg im Gazastreifen. Für die Bevölkerung dort folgten massive Zerstörung, Vertreibung und eine schwere Versorgungskrise. Der Schutz von Zivilisten gilt für alle Konfliktparteien. Geiselnahmen und gezielte Angriffe auf Zivilisten sind verboten.
Die Gewalt blieb nicht auf Israel und Gaza begrenzt. Die Hisbollah im Libanon, die Huthi im Jemen und Iran stehen in jeweils eigenen Konflikten und Bündnissen. Die Huthi griffen seit Ende 2023 auch die Schifffahrt an. Im Jemen selbst hatte eine saudisch geführte Koalition bereits 2015 in einen bestehenden Bürgerkrieg eingegriffen. Diese Vorgeschichte darf in einer Erklärung nicht fehlen.
Welche Rolle Trump und andere Regierungen spielen
Die USA können durch militärische Unterstützung, politischen Druck und Vermittlung Einfluss ausüben. Sie können die unterschiedlichen Interessen aber nicht mit einer einzigen Erklärung auflösen. Bei den Gesprächen mit Iran geht es zudem um Sanktionen, militärische Sicherheit und wichtige Seewege.
Die Deutsche Welle berichtete am 4. Oktober 2026 über iranische Bedingungen für eine Öffnung der Straße von Hormus. Dazu zählten ein Ende der US-Blockade und wirtschaftliche Zugeständnisse. Eine solche Forderung ist noch keine Einigung. Für Leser ist diese Unterscheidung entscheidend: Ein angekündigter Plan, eine Waffenruhe und eine dauerhaft umgesetzte Friedensregelung sind verschiedene Dinge.
Ist das vor allem ein Religionskrieg?
Religion prägt Identitäten und manche politischen Bewegungen. Sie erklärt die Konflikte aber nicht allein. Es geht ebenso um Land, staatliche Macht, Selbstbestimmung, Sicherheit und den Einfluss anderer Staaten. Menschen derselben Religion können dabei auf unterschiedlichen Seiten stehen.
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