Vortrag zur Heilanstalt Zwiefalten und zum Schicksal von Luise Fuß
Im Stadtarchiv Friedrichshafen im Rahmen der Ausstellung „Psychiatrie und Nationalsozialismus im deutschen Südwesten am Beispiel Zwiefalten 1933–1945“
Das Stadtarchiv Friedrichshafen lädt am Dienstag, 15. September, um 18 Uhr zu einem Vortrag über die Heilanstalt Zwiefalten und das Schicksal von Luise Fuß ein. Die Veranstaltung findet im Stadtarchiv Friedrichshafen in der Katharinenstraße 55 statt und ist Teil der Ausstellung „Psychiatrie und Nationalsozialismus im deutschen Südwesten am Beispiel Zwiefalten 1933–1945“.
Zwiefalten im Kontext der NS-Verfolgung
Zum Auftakt spricht Dr. Bernd Reichelt über „Die mehrfache Funktionalität. Die Heilanstalt Zwiefalten im Kontext der ‚Aktion T4‘ und der weiteren Verfolgungs- und Vernichtungspolitik im Nationalsozialismus“. Im Mittelpunkt steht die staatliche Heilanstalt Zwiefalten am Südrand der Schwäbischen Alb, die aufgrund ihrer Lage eine Schlüsselrolle im nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungssystem einnahm.
Durch die räumliche Nähe zur bei Münsingen gelegenen Tötungsanstalt Grafeneck wurde Zwiefalten für etwa 1.500 Patientinnen, Patienten und Pfleglinge staatlicher, kirchlicher oder privater Einrichtungen zu einer „Zwischenanstalt“ auf dem Weg in den Tod. Nach dem Ende der Morde in Grafeneck im Dezember 1940 gingen die Deportationen weiter, unter anderem in die hessische Tötungsanstalt Hadamar. Nach dem Ende der „Aktion T4“ wurde Zwiefalten im Herbst 1941 vom Innenministerium zur Pflegeanstalt ernannt. Laut Mitteilung sollten im Rahmen der herbeigeführten Zustände und der dezentralen „Euthanasie“ bis zum Ende des Krieges noch zahlreiche Menschen in Zwiefalten den Tod finden.
Luise Fuß im Fokus
Anschließend richtet Katharina Witner den Blick auf das Schicksal von Luise Fuß. Sie wurde 1902 in Ebingen auf der Schwäbischen Alb geboren und 1940 im Rahmen der „Euthanasie“-Aktion „T4“ in der Tötungsanstalt Grafeneck ermordet.
Die Mitteilung verweist darauf, dass über viele Opfer der sogenannten „Euthanasie“ heute nur wenig bekannt ist. Erschwert werde die historische Rekonstruktion auch dadurch, dass Krankenakten während des Nationalsozialismus nur sehr knapp geführt worden seien und Ende 1944 ein Großteil der Dokumente vernichtet worden sei. Hinzu komme, dass erhaltene Einträge häufig in abwertender Sprache verfasst seien und viele Patientinnen und Patienten selbst keine Angaben zu ihrer Biografie und ihrem Erleben machen konnten.
Bei Luise Fuß ist die Quellenlage nach Angaben des Stadtarchivs ungewöhnlich umfangreich. Neben der erhaltenen Krankenakte gibt es ihr Jugendtagebuch, einen Reisepass, die Erinnerungen ihres jüngsten Sohnes Werner sowie mehrere Briefe an ihre älteste Tochter Dora. Diese Briefe schrieb Luise Fuß in den 1930er Jahren aus den Heil- und Pflegeanstalten Rottenmünster und Weissenau. Auszüge aus Tagebuch und Briefen sollen einen besonderen Blick auf ihr Leben ermöglichen und Luise Fuß durch ihre eigenen Worte sichtbar machen.
Weiterer Vortrag angekündigt
Bereits jetzt weist das Stadtarchiv auf einen weiteren Vortrag hin: Am Mittwoch, 30. September, um 18 Uhr spricht Thomas Stöckle über „Grafeneck 1940 – Geschichte und Erinnerung“.
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