Ukraine-Krieg: Warum Russland angreift und was auf dem Spiel steht

Warum führt Russland Krieg gegen die Ukraine? Was geschah 2014 und 2022? Ein Überblick über die Vorgeschichte, Putins Ziele und die schwierige Suche nach einem dauerhaften Frieden.

Von Herold Deutschland3 Min. Lesezeit
Wolodymyr Selenskyj. Offizielles Archivporträt von 2019.

Wolodymyr Selenskyj. Offizielles Archivporträt von 2019.© President.gov.ua https://www.president.gov.ua/ · Volodymyr Zelensky Official portrait.jpg · CC BY 4.0 · https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ · https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Volodymyr_Zelensky_Official_portrait.jpg · Zuschnitt 16:9; verkleinert

Wolodymyr Selenskyj. Offizielles Archivporträt von 2019.© President.gov.ua · CC BY 4.0 · zugeschnitten, verkleinert · Bildinfos

Für die Menschen in der Ukraine geht es um ihr Zuhause, ihre Sicherheit und die Zukunft ihres Landes. Russland will mit militärischer Gewalt bestimmen, welche Gebiete zur Ukraine gehören und welchen politischen Weg sie gehen darf. Die Ukraine verteidigt ihre Unabhängigkeit. Wer die heutigen Nachrichten verstehen will, muss deshalb zwei Daten kennen: 2014 begann der Krieg, 2022 weitete Russland ihn zu einer groß angelegten Invasion aus.

Die Ukraine ist ein eigenständiger Staat

Am 24. August 1991 erklärte das ukrainische Parlament die Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Im Referendum am 1. Dezember bestätigte eine deutliche Mehrheit diesen Schritt. Die Ukraine wurde international als eigener Staat anerkannt. Ihre frühere Zugehörigkeit zur Sowjetunion gibt Russland deshalb kein Recht, über das Land zu verfügen.

1994 gab die Ukraine im Budapester Memorandum die auf ihrem Gebiet verbliebenen sowjetischen Atomwaffen auf. Russland, die USA und Großbritannien bekräftigten im Gegenzug unter anderem die Achtung ihrer Unabhängigkeit und bestehenden Grenzen. Solche Zusagen sind wichtig für das Verständnis der heutigen ukrainischen Forderung nach verlässlichem Schutz.

Warum schon 2014 Krieg war

Nach den Protesten auf dem Maidan und dem politischen Umbruch in Kiew 2014 besetzte und annektierte Russland die Halbinsel Krim. Im Osten der Ukraine begann ein bewaffneter Konflikt mit von Russland unterstützten Kräften. Es ging also bereits damals um die Kontrolle über ukrainisches Staatsgebiet.

Die Minsker Vereinbarungen von 2014 und 2015 sollten die Kämpfe im Osten eindämmen und einen politischen Weg eröffnen. Sie brachten keinen dauerhaften Frieden. Deshalb ist die Formulierung, der Krieg habe erst 2022 begonnen, zu kurz. 2022 begann seine neue, weit größere Phase.

Was am 24. Februar 2022 geschah

An diesem Tag griff Russland die Ukraine aus mehreren Richtungen an. Russische Truppen rückten auch in Richtung der Hauptstadt Kiew vor. Der Angriff richtete sich damit nicht nur gegen ein kleines umstrittenes Grenzgebiet. Er bedrohte den ukrainischen Staat insgesamt.

Der Politikwissenschaftler Andreas Umland beschreibt in seinem Konfliktporträt für die Bundeszentrale für politische Bildung das russische Ziel als Angriff auf ukrainische Staatlichkeit und nationale Eigenständigkeit. Das erklärt auch, warum es in diesem Krieg um mehr als die Lage einer einzelnen Frontlinie geht.

Ist Russlands Kritik an der NATO eine Rechtfertigung für den Angriff?

Nein. Russland führt die NATO und eigene Sicherheitsinteressen als Begründung an. Daraus folgt kein Recht, die Ukraine anzugreifen. Die UN-Generalversammlung verurteilte die russische Aggression am 2. März 2022 und verlangte den Abzug russischer Truppen.

Warum eine Waffenruhe allein noch nicht reicht

Eine Feuerpause könnte unmittelbar Leben retten. Sie beantwortet aber noch nicht alle Streitfragen: Wer kontrolliert besetzte Gebiete? Wie werden Menschen geschützt? Was geschieht bei einem neuen Angriff? Und wer überwacht, ob eine Vereinbarung eingehalten wird? Diese Fragen erklären, weshalb der Begriff Sicherheitsgarantien in Verhandlungen so häufig auftaucht.

Eine belastbare Vereinbarung braucht mehr als ein politisches Versprechen. Entscheidend sind konkrete Zusagen, Zuständigkeiten und Folgen bei einem Bruch. Aus Gesprächen allein lässt sich daher noch kein baldiger Frieden ableiten. Zugleich bleiben Verhandlungen ein möglicher Weg, die Gewalt zu beenden.

Was ist der Unterschied zwischen Waffenruhe und Friedensvertrag?

Eine Waffenruhe soll das Schießen beenden, für eine bestimmte Zeit oder auf unbestimmte Dauer. Ein Friedensvertrag soll darüber hinaus den Konflikt politisch regeln. Eine Waffenruhe kann ein wichtiger erster Schritt sein, ohne schon alle Ursachen zu lösen.

Was dabei leicht aus dem Blick gerät

Hinter militärischen Karten stehen Menschen, die nicht sicher zur Arbeit, zur Schule oder nach Hause kommen. UN-Menschenrechtschef Volker Türk verwies am 8. Oktober 2026 auf zivile Opfer in Bussen, Wohnungen und an Arbeitsplätzen. Der Schutz dieser Menschen ist keine Nebensache von Verhandlungen.

Die Vereinten Nationen fordern sichere Fluchtmöglichkeiten, ungehinderten Zugang für Hilfe und Schutz für medizinisches und humanitäres Personal. Ob es Fortschritte gibt, lässt sich deshalb nicht nur an diplomatischen Treffen messen, sondern auch daran, ob solche Regeln tatsächlich eingehalten werden.

Ukraine: Neue Gespräche sollen mehr Sicherheit bringen

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