Georg Stefan Troller mit 103 Jahren gestorben

ZDF trauert um Georg Stefan Troller (†103), Wegbereiter des deutschen Dokumentarfilms und prägende Persönlichkeit des Fernsehjournalismus.

Von Redaktion2 Min. Lesezeit

Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) nimmt Abschied von Georg Stefan Troller, einem prägenden Kopf des Fernsehjournalismus. Der renommierte Dokumentarfilmer und Autor ist im Alter von 103 Jahren verstorben. Troller, am 10. Dezember 1921 in Wien geboren, lebte zuletzt in Paris, wo er nicht nur als Filmemacher, sondern auch als Schriftsteller bekannt war.

Ein Lebenswerk im Zeichen des Dokumentarfilms

Troller setzte mit seiner ZDF-Reihe „Personenbeschreibungen“ neue journalistische Maßstäbe. Seine Formate galten als innovativ, weil sie einen sehr persönlichen Zugang zu den Porträtierten öffneten und tiefgründige, oft widersprüchliche Facetten des menschlichen Lebens zeigten.

Karriere und Publikationen

  • 1950er: Beginn der Karriere mit dem „Pariser Journal“ beim WDR; Troller fungierte hier als Autor und Moderator.
  • 1962: Entstehung von rund 50 Ausgaben dieser Magazinsendung.
  • Ab 1971: Tätigkeit als Sonderkorrespondent, später Weiterentwicklung der bekannten Reihe „Personenbeschreibung“.
  • 1972 bis 1993: Produktion zahlreicher Filme und Reportagen im ZDF-Team, viele gemeinsam mit Carl Franz Hutterer und Elfi Kreiter (Schnitt).
  • 1999: Veröffentlichung des Buchs „Wir sind alle Menschenfresser – Georg Stefan Troller und die Liebe zum Dokumentarischen“.
  • Persönlicher Zugang und gesellschaftliche Fragen

    Laut Dr. Norbert Himmler, Intendant des ZDF, stellte Troller der Gesellschaft grundlegende Fragen und beantwortete sie sowohl filmisch als auch schriftlich. Seine Produktionen seien prägend für die Fernsehgeschichte gewesen.

    Trollers Arbeitsweise war stets geprägt von einem subjektiven Zugang zu seinen Interviewpartnern. Er suchte das Hintergründige, brachte auch das Absurde und Grundsätzliche ans Licht. Sein filmisches Wirken war deshalb nicht nur informativ, sondern öffnete dem Publikum oft neue Sichtweisen auf das Menschsein.

    Flucht und Neubeginn

    Georg Stefan Troller wuchs in Wien in einer bürgerlichen jüdischen Familie auf. Mit nur 17 Jahren musste er vor den Nationalsozialisten fliehen. Über Paris gelang ihm die Emigration in die USA. 1945 kehrte er als amerikanischer Soldat nach Deutschland zurück – ein Wendepunkt, der auch Einfluss auf sein späteres dokumentarisches Schaffen nahm.

    Vermächtnis und Bedeutung

    Der Einfluss von Georg Stefan Troller reicht weit über das Fernsehen hinaus. Seine Sendungen und Bücher behandelten gesellschaftlich relevante Themen, stellten unbequeme Fragen und regten zum Nachdenken an. Seine innovative Art des Dokumentarfilms bleibt ein wichtiger Bezugspunkt für nachfolgende Generationen von Journalistinnen und Journalisten.

    Das ZDF und viele Wegbegleiter würdigen Troller als außergewöhnlichen Beobachter und Kommentator seiner Zeit. Mit seinem Tod verliert der deutsche und internationale Fernsehjournalismus einen Pionier, dessen Werk weiterhin Bestand haben wird.

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