Flächenentwicklung im Fokus: Wirtschaft, Klima, Umwelt und Wohnen

Serie der Stabsstelle Wirtschaftsförderung des Rhein-Neckar-Kreises im dritten Teil mit Beispielen aus Weinheim, Meckesheim und Hirschberg

Am 20. März erfolgte der Spatenstich für das neue Gewerbegebiet in Hirschberg (
Am 20. März erfolgte der Spatenstich für das neue Gewerbegebiet in Hirschberg (Foto: Gemeinde Hirschberg)Foto: rhein-neckar-kreis.de

Die Stabsstelle Wirtschaftsförderung des Rhein-Neckar-Kreises setzt ihre dreiteilige Serie zur Flächenentwicklung mit dem dritten und letzten Teil fort. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich wirtschaftliche Entwicklung, Klimaschutz, Umweltschutz und der Bedarf an Wohnraum miteinander vereinbaren lassen.

Nach Angaben des Kreises brauchen Unternehmen Raum für Produktion, Lager, neue Arbeitsplätze und Erweiterungen. Zugleich stehen Flächen im Wettbewerb mit anderen Interessen. Dorothee Wagner, Leitung der Stabsstelle Wirtschaftsförderung, verweist auf die große Nachfrage nach verfügbaren Grundstücken. Die Stabsstelle stehe in engem Kontakt mit den Kommunen und leite Anfragen an die passenden Stellen weiter.

Weinheim: klare Ziele und transparente Vergabe

Als Beispiel nennt die Mitteilung das Gewerbegebiet Weinheim Nord. Dort sei fünf Jahre nach dem Vermarktungsstart eine gute Durchmischung erreicht worden. Vor Ort seien vor allem Handwerk, aber auch Großhandel, Produktion und Dienstleistung vertreten.

Entscheidend gewesen seien klare Ziele und ein transparentes Verfahren. Die Stadt habe keine Großinvestoren von außen anziehen, sondern vor allem die Wirtschaft vor Ort stärken wollen. Deshalb seien vergleichsweise kleine Grundstücksgrößen zwischen 1.000 und 4.500 Quadratmetern vorgesehen worden.

Nach Angaben der Stadt wurden zudem früh Vergabekriterien festgelegt, die Arbeitsplätze, Steueraufkommen, langfristige Entwicklung, Innovation und Zukunftsfähigkeit berücksichtigen. Der Gemeinderat habe den Kriterienkatalog im Jahr 2021 öffentlich beschlossen. Das Verfahren selbst sei anonym gelaufen, um Beeinflussung durch persönliche Beziehungen auszuschließen. Inzwischen seien nur noch zwei von 31 Grundstücken verfügbar, 17 seien bebaut.

Zu den ersten ansässigen Unternehmen gehöre ein Bauunternehmen, das zuvor verschiedene Lagerstandorte genutzt und seine Büros sogar im Keller eines Privathauses untergebracht hatte. Im Gewerbegebiet Weinheim Nord sei erstmals alles an einem Ort zusammengekommen.

Meckesheim: langfristige Entwicklung und persönliche Kontakte

Auch in Meckesheim steht nach den Angaben der Mitteilung die langfristige Entwicklung im Vordergrund. Bürgermeister Maik Brandt nennt als Ziel, die Gemeinde als attraktiven Wirtschaftsstandort nachhaltig weiterzuentwickeln und zugleich ihren Charakter zu bewahren.

Wichtige Grundlage sei eine vorausschauende Flächenpolitik. Dazu gehörten Bauleitplanung, die Ausweisung und Entwicklung geeigneter Gewerbeflächen sowie der regelmäßige Austausch mit Unternehmen. Wirtschaftsförderung verstehe die Kommune als aktive Aufgabe, erklärt Brandt.

Ein Beispiel ist ein Pumpenhersteller, der seit 1959 am Standort Meckesheim verwurzelt ist. Das Unternehmen zählt nach Angaben der Mitteilung zu den größten Gewerbesteuerzahlern der Gemeinde, bietet zahlreiche qualifizierte Arbeitsplätze und ist als erfolgreicher Mittelständler und Hidden Champion bekannt. Um Entwicklungsmöglichkeiten zu sichern, wurde unter anderem der Bebauungsplan angepasst, damit ein Bau um ein Stockwerk erhöht werden konnte. So entstand Raum für einen Verwaltungstrakt.

Parallel arbeitet die Gemeinde an der Entwicklung des künftigen Gewerbegebiets „Mülben“, um ortsansässigen Unternehmen langfristig Wachstumsmöglichkeiten zu bieten. Das betroffene Unternehmen plant nach eigenen Angaben eine Erweiterung der Produktionsfläche. Zudem wird auf den Wert eines attraktiven Unternehmensstandorts mit Entwicklungsmöglichkeiten für die Bindung von Fachkräften verwiesen.

Hirschberg: Nachhaltigkeit von Beginn an mitgedacht

Im dritten Beispiel geht es um den Campus Hirschberg. Dort war im März der Spatenstich für das neue Gewerbegebiet an der Bergstraße mit insgesamt 84.500 Quadratmetern bebaubarer Fläche.

Der Weg dorthin war lang. Seit dem Aufstellungsbeschluss im Gemeinderat seien rund fünfeinhalb Jahre vergangen. Bürgermeister Ralf Gänshirt verweist darauf, dass ein Bürgerentscheid die Legitimation gestärkt und die spätere Diskussion verändert habe. Es habe nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie gegangen.

Nach Angaben der Mitteilung wurde das Gebiet mit hohen Standards geplant. Dazu gehörten zahlreiche Gutachten, unter anderem zu Wasser- und Stromversorgung, Heizen und Mobilität. Der Gemeinderat habe eine Balance zwischen Wirtschaftlichkeit und ökologischen Anforderungen finden müssen. Am Ende sei ein Gewerbegebiet entstanden, in dem das Regenwasser zu 100 Prozent versickert, mit 50 Prozent Photovoltaikpflicht und einem ganzheitlichen Quartierskonzept.

Auch ein Mobilitätskonzept ist vorgesehen. Das Gewerbegebiet erhält eine neue Bushaltestelle, Fahrradwege sowie eine Verbindung zur Zugtrasse. Parkende Autos sollen im „Mobilitäts-Hub“ Platz finden. Außerdem wurden alle Ausgleichsflächen in unmittelbarer Nähe des Gebiets angelegt. Die Pflanzungen seien bereits erledigt, die Flächen angelegt.

Für andere Gemeinden, die ähnliche Vorhaben planen, empfiehlt Gänshirt laut Mitteilung, fachliche Expertise einzuholen. Zudem sei es wichtig, bei Problemen mit Partnern notfalls rechtzeitig neue Lösungen zu suchen.

Die Serie der Stabsstelle Wirtschaftsförderung zeigt damit nach eigenen Angaben, wie unterschiedlich Flächenentwicklung im Rhein-Neckar-Kreis gelingen kann: mit klaren Konzepten, enger Abstimmung mit den Kommunen und einem Blick auf wirtschaftliche wie ökologische Anforderungen.

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