Ganztagsbetreuung: Rechtsanspruch für Erstklässler im Landkreis Karlsruhe
Landkreis Karlsruhe schafft Voraussetzungen; Plätze sind verfügbar, Ferienbetreuung vorgesehen und die Entwicklung bis 2029/2030 wird gemeinsam beobachtet
Im Landkreis Karlsruhe sind nach Angaben des Kreises die Voraussetzungen für den Start des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder geschaffen. Der Jugendhilfe- und Sozialausschuss befasste sich in seiner Sitzung am 21. September in der Sporthalle der Jugendeinrichtung Schloss Stutensee mit der Umsetzung. Der Rechtsanspruch ist zum 1. August dieses Jahres zunächst für Erstklässler in Kraft getreten.
Ausreichend Plätze für angemeldete Kinder
Für alle angemeldeten Kinder stehen im Landkreis Karlsruhe Plätze zur Verfügung. Insgesamt haben 4.893 Kinder der ersten Klassenstufe Anspruch auf Ganztagsförderung. Dem stehen 4.119 Betreuungsplätze gegenüber. Für das neue Schuljahr wurden nach Angaben des Landkreises 1.255 Kinder für die entsprechende Ganztagsbetreuung gemeldet, sodass alle Kinder eine Platzzusage erhalten konnten.
Der Rechtsanspruch umfasst acht Stunden Betreuung an Werktagen einschließlich der Unterrichtszeit sowie eine entsprechende Ferienbetreuung. Die Betreuung ist freiwillig. Neben Ganztagsschulen kommen auch Horte und kommunale Betreuungsangebote in Betracht. Welche Betreuungsform angeboten wird und welche Anmelde- und Beitragsregelungen gelten, unterscheidet sich je nach Kommune. Eltern können sich hierzu direkt an ihre Wohnortkommune oder die zuständige Schule wenden.
Ferienbetreuung und weitere Entwicklung
Auch für die Ferien stehen im Landkreis umfangreiche Angebote zur Verfügung. Die Kommunen halten insgesamt 5.109 Plätze für alle Grundschulkinder vor. Für 757 Kinder war zum Stichtag ein entsprechender Bedarf gemeldet worden. Da viele Familien ihren Ferienbedarf noch nicht sofort konkret planen können, sind in zahlreichen Kommunen auch spätere Anmeldungen möglich.
Sozialdezernentin Margit Freund erklärte, der Start des Rechtsanspruchs sei im Landkreis Karlsruhe gut vorbereitet gewesen. Alle bislang gemeldeten Bedarfe könnten gedeckt werden. Zugleich werde die Entwicklung gemeinsam mit den Städten und Gemeinden genau beobachtet, denn der Anspruch werde bis zum Schuljahr 2029/2030 schrittweise auf alle Grundschulkinder bis zur vierten Klasse ausgeweitet.
Dazu führt das Kreisjugendamt nach eigenen Angaben eine jährliche Bestandserhebung durch, tauscht sich mit den Kommunen aus und will mit einem kontinuierlichen Monitoring mögliche Versorgungslücken frühzeitig erkennen und gemeinsam Lösungen entwickeln.
Besondere Herausforderungen bei inklusiver Betreuung
Eine besondere Herausforderung sieht der Landkreis bei der Betreuung von Kindern mit besonderen Unterstützungsbedarfen, insbesondere an den kreiseigenen Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren. Dort sind aufgrund der individuellen Bedarfe teilweise deutlich höhere Betreuungs- und Personalaufwendungen erforderlich. Der Landkreis setzt sich deshalb beim Land für eine bedarfsgerechte Weiterentwicklung der Finanzierung ein.
Kindertagesbetreuung bleibt unter Druck
Das Gremium befasste sich zudem mit den Ergebnissen des aktuellen Berichts zur Kindertagesbetreuung. Die Kinderzahlen im Landkreis Karlsruhe gehen zurück, der Bedarf an guter und verlässlicher Kindertagesbetreuung bleibt jedoch hoch. Im U3-Bereich besteht für das Kindergartenjahr 2026/2027 trotz einer weiter positiven Entwicklung ein Defizit von 64 Plätzen. Die betroffenen Kinder befinden sich derzeit auf den Wartelisten in den Landkreisgemeinden.
Auch bei den über Dreijährigen bleibt der Betreuungsbedarf hoch. 15.261 Kinder werden derzeit in Kindertageseinrichtungen betreut, so viele wie seit 2020 nicht mehr. Ein Rückgang der Zahl der unter Dreijährigen seit 2023 um 14 Prozent eröffnet nach Einschätzung des Landkreises neue Handlungsspielräume. Weniger Kinder bedeuten dabei nicht automatisch weniger Betreuungsbedarf. Entscheidend sei, frei werdende Kapazitäten gezielt für Qualität, verlässliche Betreuungszeiten und mehr Inklusion zu nutzen, so Margit Freund.
Als zentrale Herausforderung nennt der Landkreis den Fachkräftemangel. Krankheitsbedingte Ausfälle, Teilzeit und weitere Abwesenheiten führen immer wieder zu verkürzten Öffnungs- und Betreuungszeiten und belasten Familien unmittelbar. Unterstützung erhalten die Kindertageseinrichtungen im Landkreis laut Mitteilung durch ein Präventions-, Beratungs- und Qualifizierungsangebot des Programms STARKwerden. Die Regionalen Präventionsbeauftragten begleiten die Einrichtungen, beraten Fachkräfte, vermitteln passgenaue Unterstützungsangebote und begleiten Entwicklungs- und Veränderungsprozesse. Im KiTa-Jahr 2025/2026 fanden 338 Kontakte zwischen Kindertagesstätten und den Regionalen Präventionsbeauftragten statt.
Für die kommenden Jahre steht nach Einschätzung des Landkreises weniger der reine Ausbau von Betreuungsplätzen im Mittelpunkt. Entscheidend werde vielmehr sein, die Kindertagesbetreuung bedarfsgerecht, verlässlich und inklusiv weiterzuentwickeln. Neue Anforderungen bei Sprachförderung, Inklusion und das geplante verpflichtende letzte Kindergartenjahr sowie weitere im Raum stehende Anpassungen werden diese Entwicklung zusätzlich prägen.
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