BIP im zweiten Quartal 2026 mit Plus im Vorquartalsvergleich

BIP in Deutschland steigt im 2. Quartal 2026 um 0,3% zum Vorquartal, vor allem dank guter Exporte. Außenhandel und Wertschöpfung legen zu.

Von Herold Team4 Min. Lesezeit

Das Bruttoinlandsprodukt ist im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,3 Prozent gestiegen. Das teilte das Statistische Bundesamt am 25. August 2026 mit. Gegenüber der Schnellmeldung vom 30. Juli 2026 fiel der Anstieg damit um 0,1 Prozentpunkte stärker aus. Im Vergleich zum zweiten Quartal 2025 lag das BIP preisbereinigt um 1,0 Prozent höher; preis- und kalenderbereinigt betrug der Zuwachs ebenfalls 1,0 Prozent.

Nach Angaben von Destatis setzte sich die Wachstumsdynamik der deutschen Wirtschaft vom Jahresbeginn fort. Präsidentin Ruth Brand sagte, der Anstieg sei vor allem auf die gute Exportentwicklung zurückzuführen. Auf Grundlage neu verfügbarer Konjunkturindikatoren ergab sich insgesamt ein etwas besseres wirtschaftliches Gesamtbild als zur Schnellmeldung. So entwickelten sich die Umsätze im Groß- und Einzelhandel positiver als erwartet, und die Exporte wurden aufgrund neuer Informationen zum Warenhandel im Juni 2026 nach oben revidiert.

Exporte und Importe legten zu

Der Außenhandel entwickelte sich im zweiten Quartal 2026 kräftig. Insgesamt wurden preis-, saison- und kalenderbereinigt 2,0 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen exportiert als im ersten Quartal 2026. Die Warenausfuhren stiegen um 2,6 Prozent, die Dienstleistungsexporte blieben unverändert. Bei den Importen ergab sich ebenfalls ein Plus: Die Warenimporte nahmen um 2,1 Prozent zu, die Dienstleistungsimporte um 0,3 Prozent. Insgesamt wurden 1,5 Prozent mehr importiert als im Vorquartal.

Auch im Vorjahresvergleich zeigte sich eine Belebung des Außenhandels. Die preisbereinigten Exporte wuchsen um 3,7 Prozent, die Warenexporte um 5,0 Prozent. Die Dienstleistungsexporte sanken leicht um 0,1 Prozent. Die preisbereinigten Importe von Waren und Dienstleistungen stiegen mit 2,5 Prozent weniger stark als die Exporte. Dahinter standen Warenimporte mit einem Plus von 4,2 Prozent und Dienstleistungsimporte mit einem Minus von 1,2 Prozent.

Investitionen uneinheitlich, Konsum nur leicht im Plus

Die Bruttoanlageinvestitionen gingen im zweiten Quartal 2026 preis-, saison- und kalenderbereinigt leicht um 0,2 Prozent zurück. In Ausrüstungen, also vor allem in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge, wurde mit minus 1,4 Prozent deutlich weniger investiert als im Vorquartal. Die Bauinvestitionen stiegen mit 0,1 Prozent nur leicht an. Ein stärkerer Anstieg nach dem auch wegen ungewöhnlich kalter Witterung schwachen Jahresbeginn blieb aus.

Die Konsumausgaben entwickelten sich verhalten. Sowohl die privaten als auch die staatlichen Konsumausgaben stiegen gegenüber dem Vorquartal jeweils um 0,1 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresquartal legten die preisbereinigten Konsumausgaben insgesamt um 1,0 Prozent zu. Dabei erhöhte sich der private Konsum nur um 0,1 Prozent, der Staatskonsum dagegen um 3,0 Prozent. Ursache hierfür waren insbesondere höhere Ausgaben des Bundes sowie der Sozialversicherung, vor allem für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung.

Wertschöpfung in vielen Bereichen gestiegen

Die preis-, saison- und kalenderbereinigte Bruttowertschöpfung nahm im zweiten Quartal 2026 um 0,4 Prozent zu. Besonders deutlich entwickelte sich das Verarbeitende Gewerbe mit einem Plus von 0,9 Prozent. Vor allem in der Herstellung von chemischen Erzeugnissen und von elektrischen Ausrüstungen stieg die Wirtschaftsleistung. Im Baugewerbe war die Wirtschaftsleistung nahezu unverändert und sank um 0,1 Prozent. Damit schwächte sich die Abwärtsdynamik der vergangenen Quartale zumindest ab.

In fast allen Dienstleistungsbereichen stieg die Wirtschaftsleistung. Zuwächse von jeweils 0,6 Prozent gab es bei Information und Kommunikation, beim Grundstücks- und Wohnungswesen sowie bei den öffentlichen Dienstleistern, Erziehung und Gesundheit. Lediglich die Finanz- und Versicherungsdienstleister verzeichneten mit minus 0,7 Prozent einen Rückgang.

Im Vorjahresvergleich stieg die preisbereinigte Bruttowertschöpfung insgesamt um 1,1 Prozent. Das Verarbeitende Gewerbe legte um 1,1 Prozent zu und verzeichnete damit erstmals seit dem ersten Quartal 2023 wieder einen Anstieg zum Vorjahr. Im Baugewerbe sank die preisbereinigte Bruttowertschöpfung gegenüber dem Vorjahr um 1,6 Prozent. In den Dienstleistungsbereichen konnten die Unternehmen ihre wirtschaftliche Leistung steigern, besonders deutlich bei Information und Kommunikation mit 3,9 Prozent sowie bei den öffentlichen Dienstleistern, Erziehung und Gesundheit mit 2,1 Prozent.

Erwerbstätigkeit und Arbeitsvolumen rückläufig

Die Wirtschaftsleistung wurde im zweiten Quartal 2026 von rund 45,7 Millionen Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland erbracht. Das waren 212.000 Personen oder 0,5 Prozent weniger als im zweiten Quartal 2025. Die Erwerbstätigkeit in den Dienstleistungsbereichen ging erstmals seit der Corona-Krise wieder zurück. Im Verarbeitenden Gewerbe und im Baugewerbe waren ebenfalls deutlich weniger Personen erwerbstätig als im Vorjahresquartal.

Die durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden je erwerbstätiger Person blieben nach ersten vorläufigen Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung unverändert. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen sank im gleichen Zeitraum um 0,5 Prozent. Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität, gemessen als preisbereinigtes BIP je Erwerbstätigenstunde, nahm gegenüber dem Vorjahresquartal um 1,5 Prozent zu. Je Erwerbstätigen gerechnet war sie ebenfalls um 1,5 Prozent höher als vor einem Jahr.

Einkommen stiegen stärker als der Konsum

In jeweiligen Preisen war das BIP im zweiten Quartal 2026 um 3,8 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Das Bruttonationaleinkommen legte um 4,1 Prozent zu, das Volkseinkommen um 4,3 Prozent. Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen stiegen um 5,5 Prozent, das Arbeitnehmerentgelt um 3,9 Prozent.

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