Grafeneck 1940 – Geschichte und Erinnerung: Vortrag im Stadtarchiv

Thomas Stöckle spricht über NS-„Euthanasie“-Verbrechen in Südwestdeutschland, den Umgang mit den Tätern und die Entwicklung der Gedenkstätte Grafeneck

Schloss Grafeneck mit Gebäudefassade und Umgebung.
Foto: Bildarchiv Gedenkstelle Grafeneck

Im Rahmen der Ausstellung „Psychiatrie und Nationalsozialismus im deutschen Südwesten am Beispiel Zwiefalten 1933–1945“ lädt das Stadtarchiv am Mittwoch, 30. September, um 18 Uhr zu einem zweiten Vortrag mit dem Titel „Grafeneck 1940 – Geschichte und Erinnerung“ ein.

Der Vortrag mit Thomas Stöckle beleuchtet die NS-„Euthanasie“-Verbrechen in Südwestdeutschland. Im Mittelpunkt stehen die ideologischen Hintergründe und Motive der systematischen Morde, die Opfer von Grafeneck und ihre Verbindung zur Bodensee-Region. Nach Angaben der Pressemitteilung gehörten dazu auch Menschen aus Konstanz, Radolfzell, Ravensburg und Friedrichshafen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Umgang mit den Verbrechen nach 1945. Der Vortrag fragt, was mit den Tätern geschah, warum so lange geschwiegen wurde und wie sich das Gedenken an die Opfer bis zur heutigen Gedenkstätte Grafeneck entwickelte.

Grafeneck auf der Schwäbischen Alb war 1940 eine zentrale Tötungsstätte der nationalsozialistischen „Aktion T4“. Bis Dezember 1940 wurden dort 10.654 Menschen mit geistigen Behinderungen und psychischen Erkrankungen ermordet. Nach Jahrzehnten des Schweigens entstand 1990 die Gedenkstätte Grafeneck, seit 2005 ergänzt durch ein Dokumentationszentrum. Heute besuchen jährlich rund 35.000 bis 40.000 Menschen die Gedenkstätte.

Thomas Stöckle, geboren 1964 in Geislingen an der Steige, ist Historiker und Leiter der Gedenkstätte Grafeneck. Er studierte Geschichts- und Politikwissenschaft an der Universität Stuttgart und schloss mit dem Magister Artium am Historischen Institut, Abteilung Neuere Geschichte, bei Prof. Dr. Eberhard Jäckel ab. Seit 1996 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte Grafeneck. Zu seinen Veröffentlichungen zählt unter anderem „Grafeneck 1940. Euthanasie-Verbrechen in Südwestdeutschland“.

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